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Lärmschutzwall oder Lärmschutzwand? Platzbedarf, Wirkung und Mischformen.
Wall oder Wand: Wie viel Fläche ein Erdwall braucht, wie beide akustisch wirken, wann Aushub den Ausschlag gibt und welche Mischformen es gibt, mit Rechenbeispiel.

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Wer Lärm abschirmen will, hat zwei klassische Möglichkeiten: einen Wall aus Erde oder eine Wand. Beide können gut wirken. Welche Lösung passt, hängt vor allem vom Platz ab, dann vom Boden, der zur Verfügung steht, und erst danach von der Optik. Dieser Beitrag vergleicht beide und zeigt, welche Mischformen es gibt.
Der Platz entscheidet zuerst
Ein Wall braucht Böschungen. Wie steil sie sein dürfen, hängt vom Boden, von der Bepflanzung und von der Pflege ab. Oft wird mit einer Neigung von 1 : 1,5 oder flacher geplant, also 1,5 m Breite je Meter Höhe auf jeder Seite.
Die Breite am Fuß ergibt sich dann aus einer einfachen Rechnung:
Fußbreite = 2 × Neigung × Höhe + Kronenbreite
Rechenbeispiel: Ein Wall mit Böschungen 1 : 1,5 und 1 m Kronenbreite.
| Höhe | Fußbreite Wall | Boden je Meter Länge |
|---|---|---|
| 2 m | 7 m | rund 8 m³ |
| 3 m | 10 m | rund 16,5 m³ |
| 4 m | 13 m | rund 28 m³ |
Zum Vergleich: Eine Wand braucht je nach Bauweise zwischen wenigen Zentimetern und rund zwei Metern am Fuß. Auf einem schmalen Streifen zwischen Straße und Grundstück ist ein Wall deshalb oft gar nicht möglich, oder nur so niedrig, dass er kaum wirkt.
Wie beide akustisch wirken
Für die Wirkung zählt bei Wall und Wand dasselbe: Der Schall muss einen möglichst großen Umweg über die Krone nehmen. Höhe und Lage sind deshalb wichtiger als die Bauart. Wie das genau funktioniert, zeigt der Beitrag Wie viel bringt eine Lärmschutzwand?.
Es gibt aber Unterschiede:
- Lage der Krone. Die Krone eines Walls liegt in der Mitte seines Querschnitts, bei 13 m Fußbreite also gut 6 m vom Fuß entfernt. Eine Wand kann direkt an den Fahrbahnrand. Weil eine Abschirmung nah an der Quelle mehr bringt, wirkt die Wand bei gleicher Höhe oft etwas besser.
- Reflexion. Ein bewachsener Erdwall wirft kaum Schall zurück. Eine Wand mit harter Oberfläche kann Schall auf die andere Straßenseite lenken. Eine absorbierende Wand vermeidet das.
- Dichtheit. Ein Erdwall ist von Natur aus dicht. Bei einer Wand muss man auf Fugen, Anschlüsse und den Fuß achten.
Aushub: der wichtigste Grund für den Wall
Bei vielen Bauvorhaben fällt Boden an, der sonst abgefahren und entsorgt werden müsste. Ein Wall kann ihn vor Ort aufnehmen. Das spart Transporte und Deponiekosten und ist oft der eigentliche Grund, warum ein Wall gebaut wird.
Dabei gilt: Boden ist nicht gleich Boden. Für einen standsicheren Wall muss das Material geeignet sein, und der Oberboden gehört auf die Böschung, nicht in den Kern. Wird fremdes Material angeliefert, braucht es Nachweise über Herkunft und Schadstofffreiheit, denn das Aufbringen von Boden unterliegt dem Bodenschutzrecht.
Bau, Pflege, Lebensdauer
| Lärmschutzwall | Lärmschutzwand | |
|---|---|---|
| Platzbedarf | groß | klein bis mittel |
| Material | Boden, oft vom Ort | je nach Bauweise Stahl, Beton, Holz, Füllung |
| Reflexion | gering | je nach Oberfläche |
| Setzungen | möglich, Wall wird oft überhöht gebaut | gering |
| Pflege | Böschungen mähen, Gehölze pflegen | je nach Bauweise, siehe Pflege |
| Erweiterung | höher nur mit mehr Breite | Aufstockung je nach System |
| Optik | Landschaftselement | Bauwerk, begrünt oder nicht |
Ein Wall setzt sich in den ersten Jahren, vor allem wenn er nicht lagenweise verdichtet wurde. Er wird deshalb meist etwas höher gebaut als die Zielhöhe.
Auch die Bepflanzung unterscheidet sich. Auf einem Wall wachsen Rasen, Stauden und Gehölze wie auf einer Böschung, mit entsprechendem Platz für Wurzeln. Gehölze auf der Krone sind möglich, sie verbessern die Abschirmung aber nicht nennenswert, weil Laub und Äste für Schall durchlässig sind. Eine begrünte Wand trägt ihre Pflanzen auf kleinerer Fläche und braucht deshalb eine sorgfältigere Pflanzenwahl.
Mischformen
Zwischen Wall und Wand gibt es mehrere Lösungen, die die Vorteile verbinden:
- Wand auf Wall. Ein niedriger Wall nimmt Aushub auf, eine Wand auf der Krone bringt die nötige Höhe. Die Fläche bleibt kleiner als bei einem hohen Wall.
- Steilwall. Mit Stützkonstruktionen, Geogittern oder Körben lassen sich steilere Flanken bauen. Das spart Fläche, verlangt aber eine statische Bemessung.
- Gefüllte Wand. Systeme, deren Kern aus geschüttetem Material besteht, sind eine Wand mit wenig Platzbedarf, können aber Aushub aufnehmen.
Genehmigung
Ein Wall ist rechtlich kein Erdhaufen. In Bayern gelten Aufschüttungen nach Art. 2 BayBO als bauliche Anlagen. Ob ein Wall verfahrensfrei ist oder eine Genehmigung braucht, hängt von Höhe, Fläche und Lage ab, außerdem vom Bebauungsplan. Für Wände gilt Ähnliches, mehr dazu im Beitrag Lärmschutzwand im Garten: Was in Bayern genehmigt werden muss. An Straßen und Schienen ist die Frage meist Teil der Planfeststellung.
So treffen Sie die Wahl
- Wie hoch muss der Schutz sein? Das ergibt sich aus der Schallberechnung.
- Wie viel Breite ist da? Mit der Formel oben lässt sich prüfen, ob ein Wall in dieser Höhe überhaupt passt.
- Fällt geeigneter Boden an? Wenn ja, rechnet sich ein Wall oder eine gefüllte Wand oft schneller.
- Wer pflegt? Böschungen müssen gemäht werden, Wände je nach Bauweise kontrolliert und geschnitten.
- Wie soll es aussehen? Landschaftlicher Wall, begrünte Wand oder Steinoptik.
Was RAU dafür anbietet
Die RAU Klimawand R3 ist eine Mischform: eine begrünbare Wand, deren Füllung möglichst aus Aushub vom Ort besteht, mit einer Fußbreite von etwa 80 cm bis 2 m und bis 12 m Höhe. Kurven, Höhensprünge und Anschüttungen sind möglich. Die RAU Alpin hat einen Sandkern und eine Fußbreite von etwa 160 cm. Wo fast kein Platz ist, kommt die RAU Rock Extensiv ab 13 cm Baubreite in Frage. Einen Überblick über alle Bauweisen gibt der Materialvergleich.
Häufige Fragen
Ist ein Lärmschutzwall leiser als eine Wand?
Nicht grundsätzlich. Bei gleicher Höhe und Lage wirken beide ähnlich. Der Wall reflektiert kaum, seine Krone liegt aber weiter von der Quelle entfernt. Eine Wand kann dichter an die Straße und ist bei gleicher Fläche meist höher.
Brauche ich für einen Erdwall im Garten eine Genehmigung?
Aufschüttungen gelten in Bayern als bauliche Anlagen. Ob ein Wall verfahrensfrei ist, hängt von Höhe und Fläche, vom Bebauungsplan und von der Lage ab. Fragen Sie vor dem Bau beim Bauamt nach.
Darf ich jeden Boden für einen Wall verwenden?
Nein. Fremdes Material muss für den Zweck geeignet und frei von Schadstoffen sein, und das Aufbringen von Boden unterliegt dem Bodenschutzrecht. Am einfachsten ist Aushub von derselben Baustelle, dessen Herkunft bekannt ist.
Quellen
- Bayerische Bauordnung (BayBO), Art. 2 (Begriffe) und Art. 57 (Verfahrensfreie Bauvorhaben)
- Gesetz zum Schutz vor schädlichen Bodenveränderungen und zur Sanierung von Altlasten (Bundes-Bodenschutzgesetz – BBodSchG)
- DIN ISO 9613-2: Akustik – Dämpfung des Schalls bei der Ausbreitung im Freien – Teil 2: Allgemeines Berechnungsverfahren
- Richtlinien für den Lärmschutz an Straßen (RLS-19), Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen
- ZTV-Lsw 22: Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für die Ausführung von Lärmschutzwänden an Straßen, Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen
Dieser Beitrag gibt einen fachlichen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung, kein Schallgutachten und keine Auskunft der zuständigen Behörde im Einzelfall.

Persönlich erreichbar
Ihr Lärmschutz, konkret geplant.

08341 9957180
info@rau.bayern
Am Riederloh 28, 87600 Kaufbeuren