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DIN EN 1793 einfach erklärt: DLα, DLR und die Klassen A und B.
Was DLα und DLR bedeuten, wie die Klassen A und B nach DIN EN 1793 entstehen, was Hallraum- und In-situ-Werte unterscheidet und worauf Planer bei Prüfzeugnissen achten.

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Wer eine Lärmschutzwand plant oder ausschreibt, stößt schnell auf Kürzel wie DLα, DLR oder A3/B3. Sie stammen aus der Normenreihe DIN EN 1793. Dieser Beitrag erklärt, was die Werte bedeuten, wie sie gemessen werden und was man aus einem Prüfzeugnis herauslesen kann und was nicht.
Wozu die Norm da ist
Eine Lärmschutzwand muss zwei Dinge können: Sie darf wenig Schall durchlassen, und sie sollte, je nach Lage, Schall schlucken statt ihn zurückzuwerfen. Beides hängt vom Aufbau ab, also von Material, Dicke, Oberfläche und Fugen. Die DIN EN 1793 legt fest, wie diese Eigenschaften im Labor oder vor Ort geprüft werden, damit Werte verschiedener Hersteller vergleichbar sind.
Die Norm hat mehrere Teile. Die wichtigsten für die Praxis:
| Teil | Was geprüft wird | Kennwert |
|---|---|---|
| DIN EN 1793-1 | Schallabsorption im Hallraum | DLα |
| DIN EN 1793-2 | Luftschalldämmung im Hallraum | DLR |
| DIN EN 1793-3 | standardisiertes Verkehrslärmspektrum, mit dem die Einzahlwerte gebildet werden | – |
| DIN EN 1793-4 | Beugung an der Wandkrone, vor Ort | DLΔDI |
| DIN EN 1793-5 | Schallreflexion, vor Ort | DLRI |
| DIN EN 1793-6 | Luftschalldämmung, vor Ort | DLSI |
Die nicht akustischen Eigenschaften, etwa Standsicherheit, Windlast, Brandverhalten und Sicherheit bei Anprall, regelt die DIN EN 1794. Die DIN EN 14388 fasst beide zusammen und ist die Grundlage für die CE-Kennzeichnung von Lärmschutzvorrichtungen an Straßen.
DLα: Wie viel Schall die Wand schluckt
Für DLα wird ein Probestück der Wand in einen Hallraum gelegt, einen Raum mit sehr harten Wänden, in dem Schall lange nachhallt. Aus der Änderung der Nachhallzeit mit und ohne Probe ergibt sich, wie viel Schall die Oberfläche aufnimmt, und zwar in Terzbändern von 100 Hz bis 5 kHz.
Diese Werte werden mit dem Verkehrslärmspektrum aus Teil 3 gewichtet und zu einer Zahl zusammengefasst: DLα in dB. Ein hoher Wert bedeutet: Die Wand wirft wenig Schall zurück.
Wann das wichtig ist: immer dann, wenn reflektierter Schall jemanden trifft. Typische Fälle sind Wände auf beiden Seiten einer Straße, eine Wand gegenüber von Häusern oder eine Wand dicht an einer Maschine, zwischen der und der Wand sich Schall aufschaukeln kann.
DLR: Wie wenig Schall durch die Wand geht
Für DLR wird die Wand zwischen zwei Hallräume eingebaut. In einem Raum wird Schall erzeugt, im anderen gemessen, wie viel davon durchkommt. Auch hier entsteht aus den Terzwerten ein Einzahlwert: DLR in dB. Je höher, desto besser dämmt die Wand.
Wann das wichtig ist: immer. Die Luftschalldämmung sollte deutlich größer sein als die Abschirmung, die die Wand über die Krone erreichen soll. Sonst wird die Wand selbst zum Schwachpunkt, und mehr Höhe bringt nichts mehr. Wie viel Abschirmung realistisch ist, zeigt der Beitrag Wie viel bringt eine Lärmschutzwand?.
Die Kategorien A und B
Damit Ausschreibungen nicht mit Dezimalstellen arbeiten müssen, ordnet die Norm die Einzahlwerte in Kategorien ein. Die Grenzen haben sich zwischen den Ausgaben der Norm verändert. Die folgende Übersicht gibt die Einteilung der aktuellen Fassungen wieder:
| Absorption | DLα | Luftschalldämmung | DLR |
|---|---|---|---|
| A0 | nicht ermittelt | B0 | nicht ermittelt |
| A1 | unter 4 dB | B1 | unter 15 dB |
| A2 | 4 bis 7 dB | B2 | 15 bis 24 dB |
| A3 | 8 bis 11 dB | B3 | 25 bis 34 dB |
| A4 | 12 bis 15 dB | B4 | ab 35 dB |
| A5 | über 15 dB |
Ältere Ausgaben endeten bei A4 und B3, und diese obersten Kategorien hatten keine Obergrenze. Ein A4 nach einer älteren Ausgabe kann deshalb einem A5 nach der neuen entsprechen. Wer zwei Prüfzeugnisse vergleicht, sollte deshalb immer die Ausgabe der Norm mitlesen, nach der geprüft wurde.
Der Begriff hochabsorbierend steht übrigens nicht in der DIN EN 1793. Er stammt aus Ausschreibungen und Regelwerken und meint in der deutschen Straßenbaupraxis üblicherweise eine Absorption ab A3. Maßgeblich ist, was die jeweilige Ausschreibung verlangt.
Labor oder vor Ort?
Die Teile 1 und 2 messen im Hallraum, also unter Laborbedingungen mit Schall aus allen Richtungen. Das ist gut vergleichbar, entspricht aber nicht ganz der Wirklichkeit an der Straße, wo der Schall vor allem direkt von einer Seite kommt.
Die Teile 4 bis 6 messen vor Ort oder an einem Prüfaufbau im Freien, mit gerichtetem Schall. Sie erfassen auch Fugen, Pfosten und Anschlüsse, also die Stellen, an denen in der Praxis Schall durchkommt. Die Werte heißen DLRI für die Reflexion und DLSI für die Dämmung. Sie sind mit DLα und DLR nicht direkt vergleichbar, weil sie anders gemessen und gewichtet werden.
Für die Planung heißt das: Hallraumwerte eignen sich zum Vergleich von Produkten. In-situ-Werte zeigen, wie eine gebaute Wand wirklich abschneidet, einschließlich ihrer Schwachstellen.
Was ein Einzahlwert nicht zeigt
Die Einzahlwerte sind mit einem Straßenverkehrsspektrum gebildet. Für Straßen und Schienen passt das gut. Für Quellen mit starken tiefen Tönen, etwa Transformatoren, Batteriespeicher oder Rückkühler, kann der Einzahlwert ein zu freundliches Bild geben, wenn die Wand gerade bei 100 oder 200 Hz schwach ist. Dann lohnt der Blick auf die Terzwerte im Prüfbericht. Mehr dazu im Beitrag Tieffrequenter Lärm bei Trafo und Batteriespeicher.
Auch die Einbausituation fehlt im Einzahlwert. Eine sehr gut dämmende Wand mit einem offenen Spalt am Boden ist in der Praxis eine schlecht dämmende Wand.
So liest man ein Prüfzeugnis
Ein brauchbares Prüfzeugnis beantwortet diese Fragen:
- Welcher Teil der Norm, welche Ausgabe? Zum Beispiel DIN EN 1793-1 in der Ausgabe von 2017.
- Welche Prüfstelle? Akkreditierte Prüfstellen geben ihre Akkreditierung im Bericht an.
- Welcher Aufbau wurde geprüft? Dicke, Füllung, Oberfläche, Begrünung ja oder nein, Pfosten und Fugen. Ein Wert gilt nur für den geprüften Aufbau.
- Welche Werte? Einzahlwert und Kategorie, dazu die Terzwerte von 100 Hz bis 5 kHz.
- Welches Datum? Ändert sich das Produkt, muss neu geprüft werden.
Fehlt eine dieser Angaben, sollte man nachfragen. Ein Wert ohne Norm, Prüfstelle und Jahr ist kein Nachweis.
Was das für die Planung heißt
In der Ausschreibung gehören die geforderten Kategorien für Absorption und Dämmung, die Normfassung und die Art des Nachweises (Hallraum oder in situ) ausdrücklich genannt. Wie man eine Lärmschutzwand ausschreibt, zeigt der Beitrag Ausschreibung einer begrünten Lärmschutzwand. Einen Überblick über die Bauweisen gibt der Materialvergleich.
Die Prüfwerte nach DIN EN 1793 für die RAU-Systeme nennen wir auf Anfrage, mit Prüfstelle und Jahr.
Häufige Fragen
Was ist besser, ein hoher DLα oder ein hoher DLR?
Beides misst etwas anderes. DLR zeigt, wie wenig Schall durch die Wand dringt, und muss immer ausreichend hoch sein. DLα zeigt, wie viel Schall die Oberfläche schluckt, und ist wichtig, wenn gegenüber Häuser, eine zweite Wand oder ein Hang stehen, die reflektierten Schall zurückwerfen würden.
Was bedeutet hochabsorbierend?
Der Begriff ist keine Kategorie der DIN EN 1793, sondern eine Anforderung aus Ausschreibungen und Regelwerken. In der deutschen Straßenbaupraxis ist damit üblicherweise eine Absorption ab Kategorie A3 gemeint. Was genau gefordert ist, steht in der jeweiligen Ausschreibung.
Gilt die DIN EN 1793 auch für Wände an Gewerbeanlagen oder im Garten?
Die Norm wurde für Straßen geschrieben, ihre Prüfverfahren sind aber auch sonst der übliche Maßstab. Bei Gewerbe, Energieanlagen oder Sportplätzen verlangt ein Gutachter oder Auftraggeber oft Werte nach DIN EN 1793, weil sie vergleichbar sind.
Quellen
- DIN EN 1793-1: Lärmschutzvorrichtungen an Straßen – Prüfverfahren zur Bestimmung der akustischen Eigenschaften – Teil 1: Produktspezifische Merkmale der Schallabsorption im diffusen Schallfeld
- DIN EN 1793-2: Lärmschutzvorrichtungen an Straßen – Prüfverfahren zur Bestimmung der akustischen Eigenschaften – Teil 2: Produktspezifische Merkmale der Luftschalldämmung im diffusen Schallfeld
- DIN EN 1793-3: Lärmschutzvorrichtungen an Straßen – Prüfverfahren zur Bestimmung der akustischen Eigenschaften – Teil 3: Standardisiertes Verkehrslärmspektrum
- DIN EN 1793-4, -5 und -6: Produktspezifische Merkmale – In-situ-Werte der Beugung, der Schallreflexion und der Luftschalldämmung im Direktschallfeld
- DIN EN 14388: Lärmschutzvorrichtungen an Straßen – Festlegungen
- DIN EN 1794-1 und DIN EN 1794-2: Lärmschutzvorrichtungen an Straßen – Nichtakustische Eigenschaften
- ZTV-Lsw 22: Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für die Ausführung von Lärmschutzwänden an Straßen, Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen
Dieser Beitrag gibt einen fachlichen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung, kein Schallgutachten und keine Auskunft der zuständigen Behörde im Einzelfall.

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