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Wissen · 5 Min. Lesezeit

Wärmepumpe beim Nachbarn zu laut: Grenzwerte und was wirklich hilft.

Welche Grenzwerte für Wärmepumpen gelten, warum vor allem die Nacht zählt und was gegen den Lärm hilft: Aufstellort, Betrieb, Abschirmung, Rechtsweg.

Außengerät einer Luft-Wärmepumpe auf einem Betonsockel vor einer frisch gebauten, berankten RAU-Lärmschutzwand mit RAU-Schild

Entwurf. Dieser Beitrag ist noch nicht fachlich geprüft und nicht veröffentlicht. Er ist nur auf der Testseite sichtbar.

Luft-Wärmepumpen stehen oft dort, wo Platz ist: an der Hauswand, in der Ecke zur Garage, nah an der Grenze. Tagsüber stört das selten. Nachts, wenn es draußen still ist und das Gerät unter Last läuft, kann das gleichmäßige Rauschen und Brummen beim Nachbarn sehr deutlich zu hören sein. Dieser Beitrag erklärt, welche Werte gelten, wie man sie abschätzt und was in welcher Reihenfolge hilft.

Welche Grenzwerte gelten

Eine Wärmepumpe im Wohnhaus ist eine nicht genehmigungsbedürftige Anlage im Sinne des Bundes-Immissionsschutzgesetzes. Ihr Betreiber muss nach § 22 BImSchG schädliche Umwelteinwirkungen durch Geräusche vermeiden, soweit das nach dem Stand der Technik möglich ist. Beurteilt wird das nach der TA Lärm. Sie nennt Immissionsrichtwerte, die 0,5 m vor dem geöffneten Fenster des am stärksten betroffenen schutzbedürftigen Raums gelten, etwa eines Schlaf- oder Wohnzimmers.

Gebiet tags (6 bis 22 Uhr) nachts (22 bis 6 Uhr)
Kerngebiet, Dorfgebiet, Mischgebiet 60 dB(A) 45 dB(A)
allgemeines Wohngebiet, Kleinsiedlungsgebiet 55 dB(A) 40 dB(A)
reines Wohngebiet 50 dB(A) 35 dB(A)

Welches Gebiet gilt, steht im Bebauungsplan. Gibt es keinen, kommt es auf die tatsächliche Bebauung an.

Drei Regeln der TA Lärm machen die Sache strenger, als die Tabelle vermuten lässt:

  • Nachts zählt die lauteste Stunde, nicht der Durchschnitt der Nacht.
  • Tonhaltige Geräusche, also ein deutlich hörbarer Ton aus dem Rauschen, werden mit einem Zuschlag von 3 oder 6 dB bewertet. Bei Wärmepumpen ist das wegen Verdichter und Lüfter nicht selten.
  • In Wohngebieten gibt es für die Ruhezeiten am Morgen und Abend (werktags 6 bis 7 und 20 bis 22 Uhr) und für längere Zeiten an Sonn- und Feiertagen einen Zuschlag von 6 dB.

Dazu kommen einzelne kurze Geräuschspitzen: Sie dürfen den Richtwert nachts um nicht mehr als 20 dB überschreiten. Und wenn tieffrequente Anteile im Haus des Nachbarn hörbar sind, verweist die TA Lärm auf eine gesonderte Beurteilung.

Abschätzen: Vom Datenblatt zum Fenster des Nachbarn

Im Datenblatt steht der Schallleistungspegel LWA, eine Eigenschaft des Geräts. Beim Nachbarn kommt ein Schalldruckpegel an, der mit dem Abstand abnimmt. Vereinfacht gilt nach dem Verfahren der DIN ISO 9613-2 im Freien:

Pegel am Fenster ≈ LWA + 10 · lg(Q / (4 · π · r²))

Dabei ist r der Abstand in Metern und Q ein Faktor für die Aufstellung: frei auf dem Boden Q = 2, vor einer Hauswand Q = 4, in einer Ecke zwischen zwei Wänden Q = 8. Wände wirken wie ein Trichter.

Rechenbeispiel mit einem angenommenen Schallleistungspegel von 58 dB(A) im Nachtbetrieb (die Zahl dient nur zur Veranschaulichung, maßgeblich ist das Datenblatt Ihres Geräts):

Aufstellung 3 m Abstand 5 m Abstand 8 m Abstand
frei, Q = 2 40 dB(A) 36 dB(A) 32 dB(A)
vor der Hauswand, Q = 4 43 dB(A) 39 dB(A) 35 dB(A)
in der Ecke, Q = 8 46 dB(A) 42 dB(A) 38 dB(A)

Dasselbe Gerät kann also je nach Ort den Nachtwert eines allgemeinen Wohngebiets einhalten oder deutlich überschreiten. Ein Tonzuschlag von 3 dB verschiebt die Bilanz zusätzlich.

Was hilft, in dieser Reihenfolge

1. Betrieb einstellen. Viele Geräte haben einen Nacht- oder Flüstermodus, der die Lüfterdrehzahl begrenzt. Ein Blick in die Einstellungen ist der schnellste und günstigste Schritt. Auch eine Wartung lohnt sich: verschmutzte Lamellen, lockere Verkleidungen oder ein unwuchtiger Lüfter machen Geräte lauter.

2. Körperschall entkoppeln. Brummen, das im Haus des Nachbarn über Mauern oder Fundamente ankommt, lässt sich mit schwingungsdämpfenden Füßen und flexiblen Leitungsanschlüssen mindern.

3. Aufstellort ändern. Aus der Ecke heraus, weg von der Grenze, das Lüftergitter nicht zum Schlafzimmerfenster des Nachbarn. Das ist aufwendiger, bringt aber oft am meisten, wie die Tabelle zeigt.

4. Abschirmen. Eine Schallschutzhaube des Herstellers oder eine Wand vor dem Gerät. Damit eine Wand wirkt, muss sie:

  • nah am Gerät stehen, damit der Umweg für den Schall groß wird,
  • die Sichtlinie zwischen Gerät und Fenster des Nachbarn unterbrechen,
  • zum Gerät hin schallabsorbierend sein, sonst wirft sie den Schall zurück an das eigene Haus,
  • genug Abstand für die Luft lassen. Saugt das Gerät seine eigene kalte Abluft wieder an, sinkt die Effizienz. Die Mindestabstände stehen in der Montageanleitung des Herstellers.

Für ein Erdgeschossfenster in 8 m Entfernung bringt eine 1,8 m hohe Wand, die 1 m vor einer Wärmepumpe steht, nach der Näherung aus DIN ISO 9613-2 bei 500 Hz rund 12 dB. Für ein Fenster im Obergeschoss sind es nur noch etwa 7 bis 9 dB, weil der Schall dort kaum noch Umweg nehmen muss. Bei den tiefen Anteilen ist die Wirkung jeweils geringer.

Vor dem Kauf. Wer eine Wärmepumpe erst plant, hat es am leichtesten: Schallleistungspegel verschiedener Geräte im Nachtbetrieb vergleichen, den Aufstellort mit der Formel oben grob durchrechnen und dabei das nächstgelegene Fenster des Nachbarn als Messpunkt nehmen, nicht die eigene Terrasse. Fachbetriebe und Hersteller bieten dafür Schallrechner an. Ein paar Meter Abstand oder eine andere Hausseite kosten in der Planung nichts.

Wenn sich der Nachbar nicht einigt

Der erste Schritt ist ein Gespräch, am besten mit dem Datenblatt und den Einstellungen in der Hand. Hilft das nicht, schafft eine Messung durch eine anerkannte Messstelle Klarheit, weil sie die Zuschläge der TA Lärm berücksichtigt. Zuständig für Beschwerden ist in der Regel die untere Immissionsschutzbehörde beim Landratsamt oder der kreisfreien Stadt. Daneben steht der zivilrechtliche Weg: Nach § 906 BGB muss ein Nachbar wesentliche Beeinträchtigungen durch Geräusche nicht dulden. Welche Beeinträchtigung wesentlich ist, entscheidet im Streitfall das Gericht; die Richtwerte der TA Lärm sind dabei ein wichtiger Anhaltspunkt.

Was wir beitragen können

RAU baut Lärmschutzwände für Wohngebiete, Gewerbe und technische Anlagen. Für enge Gärten eignet sich die schlanke RAU Rock Extensiv mit einer Baubreite ab 13 cm, die sich begrünen lässt. Wo mehr Platz ist, ist die RAU Klimawand R3 mit einer Fußbreite ab etwa 80 cm möglich, deren Füllung möglichst aus Aushub vom Ort besteht. Ob eine Wand im konkreten Fall die richtige Lösung ist oder ob ein anderer Aufstellort mehr bringt, klären wir gern mit Ihnen anhand eines Lageplans und des Datenblatts.

Häufige Fragen

Ab wie viel Dezibel ist eine Wärmepumpe zu laut?

Maßgeblich ist nicht der Wert im Datenblatt, sondern der Pegel vor dem Fenster des Nachbarn. Im allgemeinen Wohngebiet liegt der Richtwert der TA Lärm nachts bei 40 dB(A), im reinen Wohngebiet bei 35 dB(A). Tonhaltige Geräusche erhalten einen Zuschlag von 3 oder 6 dB.

Wer ist zuständig, wenn sich der Nachbar nicht einigen will?

In Bayern ist in der Regel die untere Immissionsschutzbehörde am Landratsamt oder bei der kreisfreien Stadt zuständig. Daneben gibt es den zivilrechtlichen Weg über § 906 BGB. Vorher lohnt ein Gespräch und eine Messung durch eine anerkannte Messstelle.

Hilft eine Lärmschutzwand vor der Wärmepumpe?

Ja, wenn sie nah am Gerät steht, die Sichtlinie zum betroffenen Fenster unterbricht, zur Wärmepumpe hin schallabsorbierend ist und der Luftstrom frei bleibt. Für Fenster im Obergeschoss ist die Wirkung deutlich kleiner.

Quellen

  1. Sechste Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm – TA Lärm) vom 26.08.1998, geändert 01.06.2017
  2. Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG), § 22 Pflichten der Betreiber nicht genehmigungsbedürftiger Anlagen
  3. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), § 906 Zuführung unwägbarer Stoffe
  4. Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Immissionsschutz (LAI): Leitfaden für die Verbesserung des Schutzes gegen Lärm beim Betrieb von stationären Geräten (Klimageräte, Kühlgeräte, Lüftungsgeräte, Luft-Wärme-Pumpen und vergleichbare Geräte)
  5. DIN ISO 9613-2: Akustik – Dämpfung des Schalls bei der Ausbreitung im Freien – Teil 2: Allgemeines Berechnungsverfahren

Dieser Beitrag gibt einen fachlichen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung, kein Schallgutachten und keine Auskunft der zuständigen Behörde im Einzelfall.

Persönlich erreichbar

Ihr Lärmschutz, konkret geplant.

Erwin Königsberger (Porträt: KI-generiertes Bild)
Erwin KönigsbergerGeschäftsführer, RAU Geosystem Süd GmbH

08341 9957180
info@rau.bayern
Am Riederloh 28, 87600 Kaufbeuren

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